Die Schönheit von Havasupai

Acht Monate sind vergangen, seitdem ich mit ihr durch die rötlich schimmernde Welt des tiefsten Grand Canyon gelaufen bin, Stunde für Stunde, es war so heiß, glutenheiß, und nirgends ein Vorsprung, dessen Schatten uns zu einer Pause einladen konnte. Die Sonne durchdrang uns hell und leicht und die Sonne, ja, sie war unser Wegbegleiter, das schöne Urgestein am Himmel, direkt über uns, auf den Schultern brennend, auf den Armen, den Beinen.

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Der Havasu Creek in seinen echten Farben. (c) Jim Kopf

Nur noch zehn Kilometer, oder fünf, sind wir gleich da?, es kann nicht mehr weit sein. Das Gedankenspiel sah sich schon im türkisblauen Wasser des Paradieses schwimmen, zu dem wir liefen, in der Hoffnung, es sei das Schönste, das jemals unsere Augen streicheln würde. Die Havasu Falls dehnten sich in unseren Gedanken aus, während wir einander ansahen, und leicht gequält, aber hoffnungsvoll lächelten, diese Art von Lächeln, bei dem zwei Menschen instinktiv einander verbunden fühlen, in dem Gewissen, einen Weg gemeinsam zu gehen.

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Upper Falls. (c) Jim Kopf

Nach sechs unerträglich schönen Stunden zwischen den brachial wirkenden Schluchten hindurch sollten wir von einer kühlen Gänsehaut erfrischt werden, denn das, was wir sahen, war nicht das Paradies, nein, es war mehr als das, es war das das Licht am Ende einer Reise zu uns selbst.

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Havasu Falls. (c) Jim Kopf

Erfüllt von der Begegnung mit der puren Reinheit, mit der puren Quelle der Natur, stiegen wir hinab zu den Wasserfällen, und gaben uns dem Licht des Wassers hin, gaben uns der Farbe des Wassers hin, und verschwanden für drei Tage in der Melancholie des Rauschens, des sanft aufprallenden Wassers, den tiefen Rottönen des hunderte Meter hohen Hanges, der uns wie ein Schutzwall vor allen Problemen und einer weit entfernten, echten Welt schütze.

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Lower Falls. (c) Jim Kopf

Was wir in Havasupai sahen, war das Licht. Auch wenn es acht Monate her ist, so verdrängt der Gedanke an den ersten Anblick der Havasu Falls jede Nuance einer unterschwelligen Pflicht, die sich im Alltag unerhört vermehren und zu vielen Aufgaben anhäufen. Ehrlich gesagt war der Beginn dieses Beitrags nur einer einzigen Aufgabe gewidmet, und die war, zu sehen, ob ich mich in die Stimmung einer längst vergangenen Reise begeben kann, und um zu sehen, was ich dabei fühle.

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Mooney Falls. (c) Jim Kopf

Ich fühle mich leer. Eine schöne Leere jedoch, ein Leere, die alles vergessen lässt, und die nur den Drang verspürt, sich etwas Höherem hinzugeben, wie dem Licht einer anderen Welt.

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Unwirklich, einfach unwirklich. (c) Jim Kopf

Das Licht ist wie ein Lächeln. Wenn es so rein ist wie wir es erlebt haben, so unglaublich rein und erfüllend, dann gibt es nichts, das wichtig ist, keine Arbeit, keine Familie, keine Freunde, keine Aufgaben und keine Pflichten, es gibt nur ein Lächeln und das Licht, und das Gefühl, das es uns schenkt.

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PS: Bald gibt es neue News von mir, oder eher, bald startet ein neuer Abschnitt! 🙂

Liebe Grüße,

Jim

8 Kommentare zu „Die Schönheit von Havasupai

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