Das Konzert in Denver | ein Roadtrip durch die USA

Das vermutlich um 1876 erbaute Flugzeug war ein Tränengarant. Es rüttelte und schüttelte sich derart in rund zehn Kilometern Höhe über den letzten Ausläufern des Grand Canyon auf dem Weg von Vegas nach Denver, dass sie ein letztes Gebet abschickte, auf meiner Hand einen Bluterguss hinterließ und anschließend wie ein elendes Lämmchen eine bitter verzweifelte, tränenunterlaufende Miene aufsetzte, das sich nach der Landung aber schnell wieder zu einem grell leuchtenden Regenbogen zurückverformte. Wir waren in Denver.

Nachdem wir den neuen Mietwagen, einen lässigen Jeep Compass, bei Alamo (definitiv mehr zu empfehlen als Sixt) abgeholt hatten, erblickten wir nach langer Zeit endlich mal wieder etwas Grünes und etwas Weißes in der Landschaft, die grünweißen Weiten Colorados, und ließen uns ordentlich Zeit, diesen neuen Eindruck zu genießen.

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Unser Airbnb lag recht zentral in einer Gated Community, also in einer dieser streng abgeschnittenen Unterdrücker einer individuellen Behausung. Dementsprechend sah alles insbesondere in der angebrochenen Dunkelheit gleich aus, während unser Host es sich zur gleichen Zeit in der Karibik gemütlich machte – unsere Pfadfinderfähigkeiten führten uns dennoch um kurz vor Mitternacht in das beschauliche Anwesen. Eine kleine süße fette Katze begrüßte uns mit einem arroganten Fauchen. Meine Katzenallergie fauchte zurück und kratzte sich am Hals. Krr. Schnupf. Hust. Krieg keine Luft. Allergietablette rein. Alles wieder gut. Kleine süße fette Scheißkatze.

Aber jetzt mal zurück zur Normalform der unglaublichen Abenteuerreise. Das Konzert unseres Lebens stand an. Odesza im Red Rocks Amphitheater. Der ursprüngliche Grund unserer Reise. Vor nicht allzu langer Zeit staunte ich noch über ein GoPro-Video über diese von der Natur geformten Konzertlocation und jetzt war ich selbst da. Träume erfüllen kann ich.

Um 18:30 Uhr sollte das Konzert beginnen. Wir waren um 16 Uhr da und standen weit vorne in der Schlange. Eine Stunde später war Einlass, wir rannten gesittet die Treppen hoch und setzten uns recht mittig auf die Treppen des steilen Hangs, der zur Bühne führte. Der Hang füllte sich mit wetterresistenten Jugendlichen, die wohl das Konzert mit einer Poolparty verwechselten, und anderen Menschen wie wir, die stürmische 13 Grad Außentemperatur mit einigen dicken Pullovern begegneten. Wie gut, dass nach mehr als fünf(!) Stunden, um 22:30 Uhr, Odesza auch endlich mal auf die Bühne kam. Sie wären wohl sonst erfroren.

Und ja, was soll ich sagen: Es war der Wahnsinn. Auch wenn die Vorbands wie eine Melodie aus Fleischsalat auf Nutella klangen, so war Odesza der erwartete Live-Hammer. Alles war perfekt. Die Lichter. Der Hang. Die Musik. Sie. In einem Moment meines Lieblingslieds war plötzlich alles außen vor, es gab nichts auf der Welt, das wichtig war, nur sie, die Musik, der Hang, die Lichter. Der Moment. Von allem auf der Welt erfüllt.

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Ich würde gerne behaupten, dass ich auch dieses Bild gemacht habe. Aber war wohl eher der Band-Fotograf. Alles in allem: Fantastisch!

Überpünktlich und recht abrupt war das Konzert um kurz vor 12 zu Ende und verhinderte eventuell die Möglichkeit, dass es das Konzert unseres Lebens wurde. In gewisser Hinsicht war es das zwar, wir waren in Amerika, hier in Denver, im Red Rocks Amphitheater, doch Odesza hätte etwas mehr auf Augenhöhe mit dem Publikum sein müssen, um das große Ganze zu vollenden. Halb so wild, es war ein überragendes Konzert in der schönsten Konzertlocation, in der ich jemals sein durfte. Yesss!

Am nächsten Tag verließen wir Denver und fuhren nach Pagosa Springs. Waren wir drei Tage vorher noch in einer trockenen Wüstenlandschaft, lag auf einmal Schnee zu beiden Seiten unseres silbernen Geländewagens. Zugegeben, nur in den höchsten Lagen in den Bergen, die wir kurzzeitig passierten, aber es war Schnee, es war weiß, es war cool. Auch der Weg an sich war wunderschön zu fahren, echtes Roadtrip-Feeling.

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Pagosa Springs ist hauptsächlich für seine heißen Quellen bekannt, eine bodenständige Kleinstadt mit vielen Rentnern, die sich für ihren Lebensabend noch einen Haufen Kohle zurechtgelegt und sich hier am Rande einiger Golfkurse niedergelassen haben. Auch hier übernachteten wir in einem Airbnb, eine Villa mit fünf Meter hohen Decken, das eine leider sehr deutliche Ähnlichkeit zu gewissen Horrorfilmen hatte, in denen naive Jugendliche im verlassenen Waldabschnitt niedergemetzelt werden. Gruselig, wirklich gruselig. Um das Ambiente abzurunden, war der Host ebenfalls auf Reisen und wir dachten, wir wären alleine. Bis plötzlich eine Oma vor der Badezimmertür stand. Woah! Fuck, ähm, Hi, nice to meet you.

Danach sahen wir die Oma nie wieder. Und auch wir wollten eigentlich einfach nur wieder weg, nachdem wir in den heißen Quellen für fluffige fünfzig Euro gebadet hatten und in der Dunkelheit den Waldweg zur Villa auszumachen versuchten. Glücklicherweise schafften wir auch diese Herausforderung, schossen am nächsten Morgen noch ein paar Fotos für Instagram in dem szenisch anmutenden Haus und machten uns auf dem Weg nach Sedona.

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Ohh, Sedona. Ich kletterte auf deine Gipfel und liebte die Aussicht, während meine Freundin auf halber Höhe auf mich wartete und wartete und dachte, ich sei abgestürzt…

PS: Jetzt folgt noch ein letzter Blogeintrag zu unserem Roadtrip und anschließend gibt es eine Ankündigung. Seid gespannt 🙂

 

10 Kommentare zu „Das Konzert in Denver | ein Roadtrip durch die USA

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  1. Wunder, wunder, wundervoll! Sooo schön beschrieben… Es deckt sich mit den Erzählungen damals… Ein Beweis dafür, dass Du nicht nur mit dem Stift in der Hand eine Bildsprache entstehen lassen kannst… Ich liebe ja das Bild Deiner Freundin am Fenster, das ist schon ganz was großes!! Freu mich auf den letzten Teil und natürlich die Ankündigung… (auch wenn ich ne Ahnung hab) 😉

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  2. Fantastisch dein Bericht, auch wenn ich diese Musikgruppe gar nicht kenne, was du mir verzeihen magst, aber gute, mitreißende Musik ist, war und wird immer existieren. Zu meiner Zeit waren es Gruppen wie Crosby, Stills, Nash & Young oder die Stones. Aber ich verstehe dich vollkommen und das Foto deiner Freundin ist einfach nur traumhaft schön – sie übrigens auch! Herzliche Grüße Sigrid

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    1. Dankeschön Sigrid, freue mich sehr dass dir auch dieser Bericht gefallen hat! Und das Kompliment gebe ich natürlich weiter 🙂 Dass du die Band nicht kennst ist total verständlich, auch in meinem Alter ist sie nicht soo bekannt außerhalb der USA. DANKE!

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