Ein Nachtgedanke

In der Dunkelheit erscheinen Gedanken wie Körper, ich kann sie greifen, fühlen, erleben. Es gibt nichts, das sie einschränken könnte; dem Licht entgegen, das auf die Augen fällt und all die Wahrheit unter die Haut des Oberflächlichen verschließt. Nie mehr als in der Nacht können Gedanken größer als man selbst werden. Wenn sie erwachen und gedeihen, schläft und stirbt die echte Welt da draußen. Die neue Wirklichkeit ist ein Traum der eigenen Gedanken, in dem das Alles, also Fragmente, Ideen und Nuancen des Alltäglichen, zu einer festen Materie werden. Sie werden Wahrheit. Rede und denke und handele ich am Tage wie von schwarzen, hohlen, aber nicht unbedingt negativen Farben besessen, fallen sie im Volldunkel in den Farbkasten der Fantasie und rekapitulieren das Erlebte in einer Weise, die mir den Schlüssel für den wichtigsten Zugang meines Daseins geben – durch sie weiß ich, wie ich über das Erlebte denke. Sie schlagen Äste zu meinen Werten, Ansichten, Hoffnungen. Es ist eine Frage der Perspektive, die, ist es hell, von vermeintlichem Glück sein kann, doch die, ist es dunkel, auch zu etwas Traurigem, Zweifelhaftem werden kann – oder umgekehrt. Aus ihr resultieren Entschlüsse – Entschlüsse trifft man in der Nacht, nicht am Tag… Der geräuschlose Druck ist immens, nur vereinzelt schlagen Grillen und Autos Töne in die Luft, und wenn die dämmrigen Lichter auf den Augen auf einen Spaziergang ins noch Ungewisse, Undefinierte, Unklare gehen, beginnen die Gedanken sich ihre Nährstoffe zu holen und das Becken des Bewusstseins mit Wahrheit zu füllen. Sie ist es, die mich nicht schlafen lässt, oder die mich im Tau des Morgens mit dem Drang zum Handeln oder dem Gewissen begrüßt, über Nacht sei mir etwas klar geworden. Bewusst schätze ich den wertvollen Gehalt dieses Effektes. Wüsste ich sonst, was mein Leben ausmacht, und vor allem, wo es sich hinbewegen soll?

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Photo (c) Jim Kopf

8 Kommentare zu „Ein Nachtgedanke

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