Einfach leben

Irgendwo zwischen der Banalität des Alltags, vom Wecker geweckt zu werden, sich aus dem Schlaf zu quälen, die Bahn zur Arbeit zu nehmen, und dem seltenen Entzücken des Ungewöhnlichen, den Flug in ein fremdes Land nehmen, sich dem Wachsein hinzugeben, vom Wecker unabhängig schlafen zu können, in dieser lächelnden Zufriedenheit, am Tage etwas besonderes erlebt zu haben, verstreicht die Zeit, Minute für Minute, Stunde für Stunde, heute, morgen und übermorgen, unaufhörlich. Die Erkenntnis, den Zwischenraum des Alltags und des Ungewöhnlichen mit möglichst viel Sinn zu füllen, erscheint erstrebenswert, aber in einem Licht, das sich, zwar objektiv betrachtet völlig einfach mit Aktivitäten wie Kinobesuche, Freundschaften, Sport oder einer kreativen Auslebung füllen lässt, aber im Inneren mit mehr als das umgesetzt werden will: Mit einem den Moment überdauernden Glücksgefühl. Bei dem man zu sich selbst sagen kann: Das gibt mir etwas. Nicht nur heute, sondern auch in allen Jahren meines Lebens. Mein Gefühl sagt mir, dass sich nicht viele mit dieser Frage beschäftigen, und all die, die es nicht machen, sind doch eigentlich nur zu beneiden. Denn sie leben – einfach. Ist es nicht genau das, was wir auch wollen? Einfach leben. Einfach leben. Einfach leben.

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ein Foto von Nina (http://ninahrusa.com

29 Kommentare zu „Einfach leben

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    1. Da magst du sicherlich recht haben, zumindest glaube ich, dass diese Empfindungen dann nur noch angeschnitten werden, anstatt weitergedacht und sich damit beschäftigt wird. Aber vielleicht ist genau das der richtige Weg…

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  1. Da kann ich dir wieder nur zustimmen. Und du hast auch mal wieder die richtigen Worte für Gedanken gefunden, die auch mir im Kopf herum schwirren. Seit einigen Wochen schlummert nämlich ein Beitrag unter meinen Entwürfen, mit dem Titel „Einfach sein“, den ich begann, nach dem ich Willy Astor live sah, der zum Ende seines Auftritts ein Lied präsentierte, in dem es genau darum geht:

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  2. Der Sinn des Lebens oder Der Sinn „im “ Leben – das ist ein philosophisches Thema und darüber könnte man stundenlang diskutieren. Manche leben einfach in den Tag hinein, andere füllen den Tag mit ständigen Aktivitäten oder Aktionismus.
    Zur Zeit erlebe ich viele Menschen, die fast den ganzen Tag damit zubringen ihren Körper und ihre Ernährung zu kontrollieren, um einem gewissen „Ideal“ zu entsprechen. Das scheint sie glücklich zu machen und ihr Leben auszufüllen. Damit kann man(n)/frau sich 24 Stunden beschäftigen und manche leben überhaupt nur noch mit diesen Aktivitätstracker am Arm. Das ganze Leben besteht aus „Kontrolle“ bis zum Verlust sozialer Kontakte.
    Ich habe da ganz andere Vorstellungen: U.a. mit Familie und Freunden gemeinsam etwas unternehmen und unvergessliche Stunden verbringen, ehrenamtlich tätig sein, ein schönes Hobby zu haben u.v.m. Das schafft dann die den Moment überdauernden Glücksgefühle, an die man sich auch noch Jahre später mit Freude erinnert. Wenn mich jemand fragt, dann sag ich immer, dass es besser ist, die Lebensjahre mit Leben zu füllen anstatt immer nur so zu leben, um möglichst alt zu werden.

    Oh, jetzt habe ich viel geschrieben und selbst Unglück und Schicksalsschläge können zu einem erfüllten Leben beitragen. Ich wünsche dir jedenfalls, dass du möglichst viele Glücksmomente erlebst, an die du dich später immer wieder gerne erinnerst. Grüßle 🙂 Sigrid

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    1. Danke, dass du dich so ausführlich mit meinen Gedanken beschäftigt hast, Sigrid! Dem Kontrollwahn über das eigene Leben kann ich ebenfalls nichts abgewinnen, Idealen hinterherzurennen erweist sich für mich als nicht wirklich glückstreibend.
      Deine Definition von überdauernden Glücksgefühlen gefällt mir sehr, natürlich, das ist etwas sehr subjektives, und ich bin wohl noch lange auf der Suche nach meinen eigenen.
      Danke!

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  3. Oha, das Bild kenn ich! Und ich mag es sehr! Es ist Teil der (in meinen Augen) besten Serie dieser Fotografin. Und es passt. Es repräsentiert Deine Überschrift wie wohl kein zweites Bild. Der Inhalt Deines Beitrags bringt es wie so oft auf den Punkt. EINFACH LEBEN! Das klingt so simpel, ist aber so schwer. Ich mag es nicht, das ich mich dabei so oft selbst behindere. Etwas in mir bremst, mal mehr und mal weniger, aber es bremst. Das nervt…

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    1. Ich hatte mir auch sofort gedacht, verdammt, dieses Bild passt perfekt, und du weißt noch besser als ich, wieviel Talent diese Fotografin hat 🙂
      Dazu kann ich dich doch nur bestens verstehen, etwas unbewusstes bremst uns aus, das ist bei mir selbst auch der Fall, und es ist so schwer dagegen anzukämpfen. Würde es einfach sein, glaube ich, würden ich viel mehr Glück in all den alltäglichen Dingen sehen. Es ist eine Suche, diese Beschränkung aufzuheben.

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  4. Mein lieber Jim, seit dem Moment wo du diesen Beitrag rausgehaut hast – und ich habe ihn ziemlich schnell entdeckt – versuche ich nun Worte zu finden, die das beschreiben, was du damit in mir ausgelöst hast. 8 Mal versucht… 8x wieder sein lassen… Ich hab das Gefühl, nichts kann dem gerecht werden, was ich bei deinen Worten in Kombination mit ausgerechnet dem Bild von mir empfinde. Ein Bild, das mehr zu deinen Worten passt als du dir vorstellen kannst…
    Ich bin immer noch so hin und weg… Ich kann dir da öffentlich einfach nicht mehr dazu schreiben… Außer, dass ich mich in meinem ganzen Leben noch nie so geehrt gefühlt habe und schon lange nicht mehr so unfassbar glücklich war bzw immer noch bin… DANKE du wunderbarer Mensch… :-*

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    1. Hi Nina 🙂 Ich habe nicht geahnt, dass ich dir damit so viel gebe, es war ein Instinkt, der mich an dieses Bild von dir denken ließ, das so unglaublich zu den Gedanken passt, die ich verschriftlichen wollte. Es war nur eine halbe Stunde, die der Text in Anspruch nahm, und doch fühlte es sich so an, als fließe er direkt aus meinem Inneren auf das digitale Papier; selten hatte ich das Gefühl, einen Gedanken derart klar formulieren zu können. Dass ich damit einige Leute, und vor allem dich, damit so sehr erreiche, und diese unglaubliche Rückmeldung bekomme, macht mich glücklich und erfüllt mich sehr! :-*

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  5. Gerade deinen Blog entdeckt, bin wirklich beeindruckt.
    Speziell auch von diesem Beitrag. Ich beschäftige mich von Jahr zu Jahr mehr mit dem „Thema“ Leben, mit meinen Zielen und Träumen. Die Zeit ist einfach so schnelllebig.
    Wir müssen versuchen das Beste aus unserem Leben rauszuholen, das Glück liegt in so vielen kleinen Dingen. Um das zu begreifen und zu erkennen, benötigen wir nich viel mehr als unser Herz und unseren Verstand. Dennoch ist es so schwierig..

    Besten Gruß, hast jetzt definitiv eine Leserin mehr.
    Sandy

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    1. Hey Sandy! Erst einmal vielen Dank & ich freue mich dass du nun auf meinem Blog dabei bist! 🙂
      Gerade weil die Zeit so schnelllebig ist, müssen wir sie möglichst intensiv ausfüllen; gerade auch mit dem bewussten Aufnehmen der kleinen Dinge. Aber wenn es nur so einfach wäre, wie es sich schreiben lässt… dazu gibt es zu viele Dinge, die ausgeblendet werden müssen, mit denen man im Reinen sein muss, die man mit einem Glücksgefühl behaften muss… gar nicht so einfach.
      Liebe Grüße,
      Jim

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    1. Dankeschön Paleica! Hat mich zum Lächeln gebracht, dass du dir gestern so viel von mir durchgelesen hast 🙂
      Das dahinter aufgeben – nichts erscheint mir schwieriger. Ist es doch so unzertrennlich eng mit der Person verbunden, die man (zur Zeit?) ist. Also müsste man sich ändern. Ist das erstrebenswert?

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  6. Hallo Jim,
    habe eben auch deinen Blog entdeckt. Der Betrag gefällt mir sehr. Einerseits ist es schön, einfach zu leben, zu sein. Das ist aber keineswegs oberflächlich. Ich verbinde es mit tiefen Gefühlen, Empfindungen, der Ewigkeit des Moments, das, was viele Menschen verlernt haben, mit dem Herzen zu sehen. Wir versuchen es immer so kompliziert zu machen und vergessen uns darüber hinaus. Denke darüber nach, was andere denken könnten, anstatt bei uns zu bleiben. Vergessen, im Heute zu sein. Vernachlässigen die schönen kleinen Dinge des Lebens zu schätzen und sind nicht bereit, große Dinge zu empfangen.
    Danke für den Reminder 😀 Und PS: Die Kommentare finde ich toll 😉
    Liebe Grüße
    Sabrina

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    1. Hallo Sabrina 🙂
      Schön dass du auf meinem Blog gelandet bist, und danke für das Weiterdenken meines Beitrags; du triffst die richtigen Worte, es ist so wahr, wir sollten nicht vergessen, im Heute zu sein, und davon absehen, zuviel zu kompliziert zu machen. Auch danke an dich 🙂
      Liebe Grüße,
      Jim

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