Die grüne Sonne an diesem Morgen

Heute war mal wieder ein besonderer Tag. Ich wachte mit solchen Schmerzen im unteren Rücken auf, dass der Schmerz an sich, punktuell, aber beißend, meine Vorstellung von den Dingen in eine Richtung lenkte, die sich von den im Bewusstsein groß und flächendeckend verankerten Gewohnheiten vollends unterschied.

Da war das Licht. Da war das Bett. Da war der Tau des Frischgestrichenen.

Grün strich das Sonnenlicht über die Haut der Gardine, die Pollenschicht auf ihr, schwarz und grau und erwacht im Zuge des allabendlichen Durchlüftens, flattert wie ein unabhängiger Organismus auf. Das Wirbeln, das entstand, als ich mich windete und drehte, das Wirbeln der Bettdecke, die nicht aus dem Stoff war, der mich noch in den Schlaf getragen hatte, nunmehr aus einer diamanten, hartkantigen Faser gewoben, versetzte den Raum in etwas Lebendiges, Dynamisches; das Andersartige tötete das Tote der Wand, das Tote des Schrankes und des Bodens, es tötete die Dunkelheit in den Ecken und Schatten. Entsetzt über den Körper, der schwer atmete und sich auf dem Stein der Matratze wälzte, glich das Poröse der Tapete einer Gänsehaut, viele kleine Punkte, wie eine Krankheit, die sich ausbreitete; das zum Leben erwachte überspielte das eigentlich Lebende wie ein bunter Trip, der grellgrünen Sonne und dem glühendroten Boden hilflos ausgeliefert, denn da war nichts, was gewöhnlich erschien, alles war eine Farce, die mit dem Gewöhnlichen spielte.

Ein krampfhafter Duft, irgendwie Gras, aber auch irgendwie Meer, stieg aus dem Parkett auf, so als wäre der Boden undicht, so als läge er über einem Tunnel der Natur, aber keiner einladenden Natur, eher wie ein aus Abfällen des grünen Sonnenlichts zusammengepresster Stahlcontainer, quadratisch und begrenzt wie das Leben außerhalb der neuen Wohnung, die ich vor wenigen Wochen bezog. Gestern noch roch der Anblick des Neuen nach Zukunft und Glück, heute verebbten die Gefühle wie Gezeiten, die alles bestimmen und alles in eine bestimmte Richtung lenken.

Eine Richtung, die mir Angst macht.

 

16 Kommentare zu „Die grüne Sonne an diesem Morgen

Gib deinen ab

  1. Schmerzen lassen vieles und manchmal sogar alles in einem „anderen Licht“ erscheinen. Sie verdrängen oft jeden positiven Gedanken, aber lass dich nicht unterkriegen, Jim! Woher deine Schmerzen kommen, das weiß ich natürlich nicht, aber du solltest ihnen auf den Grund gehen – auf jeden Fall, damit deine Gedanken wieder voller Optimismus sind 😃 Ich habe schon so viele Schmerzen aushalten müssen – emotionale, physische, unerklärliche …. – aber ich bin daran gereift, habe gelernt mit ihnen umzugehen und manchmal verschwinden sie auch wieder und dann weiß man später gar nicht mehr, wie sie sich angefühlt haben. Das kann ich dir auf jeden Fall aus Erfahrung sagen !!

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    1. Danke für deine sehr lieben Worte, das muntert auf.
      Mit Schmerzen kann ich umgehen, denke ich, dafür habe ich mir schon einiges gebrochen etc, aber wenn über ein paar Wochen immer wieder Schmerzen auftauchen, die ich nicht einordnen kann, dann fangen die Gedanken an sich zu verbiegen.
      Nochmal danke, Sigrid, du hast schöne Worte gefunden 🙂

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  2. Der letzte Satz hat mich mal eben schlucken lassen. Krasser Text. Er lässt mich nachdenklich zurück..
    Schmerzen kommen und gehen. Aber Ängste bleiben. Leider. Doch stellen kannst du dich Ihnen. Streck die Zunge raus und sag „fickt euch Ängste“ und dann lass sie ziehen..

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    1. Du hast recht, das wäre die beste Lösung, um die Ängste und verformten Gedanken loszuwerden, und ich versuche es ja, vielleicht reicht es für einen Moment oder eine Stunde oder einen Tag, selten für die ganze Zeit. Danke Netti! Ich muss dir noch auf die E-Mail antworten..

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    1. Danke!
      Melodramatisch, das Wort trifft mich, weil ich im nachhinein meine Texte auch manchmal als melodramatisch betrachte und damit verlieren sie ihre gesamte Substanz und sagen nichts als leere, unbedeutende Phrasen aus, weil ich melodramatisch eng mit künstlich oder gespielt verbinde. Das mag einer dieser Texte sein, und du hast vermutlich recht, aber die Gedanken dahinter sind es nicht, und da ich davon träume, eines Tages ein Buch zu veröffentlichen, muss ich das melodramatische überwinden 🙂

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      1. Bitte, bitte!
        Ich würde eher sagen du hast eine melodramatische Ausdrucksweise, die keines Falls mit leere zu vergleichen ist.
        Ich finde auch, dass es Text nicht künstlich sein kann, wenn die Gedanken echt, gefühlvoll und bedeutungsvoll sind. Und dies spiegelt sich ja in diesem Text wieder.

        Durch Üben und Kritik lernt man. Also immer weiter machen! Ich drücke dir die Daumen. Sag bescheid, wenn ich das Buch lesen kann 🙂

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      2. Danke für deine Worte und die Erklärung, wie du das siehst!
        Nur ich persönlich kann wohl mit melodramatisch nichts unbedingt positives verbinden, das heißt für mich zwar gefühlvoll, aber in einer zu gewollten Art, verstehst du? Aber ich denke das ist Ansichtssache. Ich sage sofort Bescheid wenn das Buch gedruckt wird, hehe. Danke! 🙂

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  3. Oh, diesmal hinterlässt Dein Text ein leicht „schockiertes“ Gefühl in mir zurück. Damit hab ich nicht gerechnet. Aber auch da treffen Deine Worte voll ins Schwarze… Eine Kunst, die ich fast höher ansiedeln würde als über positive Dinge zu schreiben… Und dennoch bleibt was negatives… :-/

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    1. Ich danke dir, dass meine Worte auch in diesem Licht bei dir ankommen, aber primaballarina hat recht, es ist zu melodramatisch, ich wusste nur nicht, wie ich meine Stimmung gerade anders rüber bringen könnte, als das ich es so abrupt enden lasse.
      Aber keine Sorge, die Tage kommt etwas ganz neues, das viel Positives verspricht.
      Danke Markus!

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      1. stimmt schon 🙂 Ich will nur nicht, dass meine aufgeschriebenen Gedanken lächerlich erscheinen und das ist nunmal ein schmaler Grad, wenn es eher in negative Gedankengänge geht. Aber ich weiß, dass meine Texte, egal ob positiv oder negativ, bei dir gut aufgehoben sind 🙂

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