Die fabelhafte Unmöglichkeit | Teil 17/24

Dezembertage sind scheiße. Vor allem hier, in dieser beschissen Großstadt. Jedes Jahr hoffen die Menschen auf Schnee. Weiße, dickflockige Kristalle, die sich über alles graue und triste legen und den Anschein erwecken, es wäre alles in Ordnung. Wie eine große, warme Decke, nur aus makellosem Eis. Was sie bekommen ist Regen. Kalter Kind und schauernde Wolkenbrüche mit ungeliebten Tropfen, die mitten ins Gesicht peitschen. Die Natur im Gleichgewicht mit den Gefühlen. Regenschirme werden aufgeklappt, doch gegen die Enttäuschung nützen sie nichts. Das Fenster zur Welt wird geschlossen, das harte Glas lässt die schlimmsten Gewitter abprallen, doch gegen den von innen kommenden Schmerz ist es schutzlos und bricht zusammen. Die kahlen vier Wände werden verbarrikadiert, die Mauer in Ablehnung zur Realität wird höher gebaut. Einsame Tage stehen an, einsame Tage liegen zurück. Blicke durch den Sturm werden von der Spiegelung des Fensters zurückgeworfen, es ist keine Besserung in Sicht. Das eigene Herz fühlt sich gebrochen an, zerschmettert, herausgerissen. An einem Lichtpunkt, wo nach so vielen Jahren der unveränderlichen Witterungen ein wenig Hoffnung am Horizont aufleuchtete. Das bedingungslose Festhalten einer Chance endet in einem Desaster. Tränenunterlaufende Reaktionen deuten von Schwäche im Angesicht einer unerfüllten Unmöglichkeit. Die Wahrnehmung der Augen ist eine Illusion, das farbenfrohe Träumen ist eine Falle, reine Selbsttäuschung. Schwarz und Weiß ist alles was zählt, alles was noch zu glauben ist. Dazwischen liegt die Fiktionalität der eigenen Gedanken, der eigenen Gefühle. Fabelhaft mutieren sie zu etwas Großartigem, sehen sich schon fast mit der endlich erreichten Unmöglichkeit konfrontiert, bis ein einziger Name in dieser unfairen Welt alles zum Einstürzen bringt. Es hagelt verletzte Gefühle auf den Boden, resigniert werden die Tatsachen zur Erkenntnis erhoben. Was nicht ist, wird niemals sein. Tiefe Herzenswünsche bleiben unerhört, einfach ignoriert. Das Glück ist um einen fühlbaren Hauch vorbei gerauscht, anstatt den Richtigen zu treffen. Die Aura verdunkelt sich um die blutenden Poren der Befindsamkeit, der Schweiß der Traurigkeit brennt in ihnen. Zusammengekauert liegt es sich am sichersten, inmitten einer Flut der Ungerechtigkeit. Die Fühler werden eingezogen. Die Augen geschlossen. Unter ihnen eine feuchte Schicht des Hasses, der Enttäuschung, der Liebe, die an den kapitulierten Wangen herunter läuft, der letzte Damm ist gebrochen, das Gefühl hat keinen Halt mehr und verschwindet in den unendlichen Rissen der knochigen Steine, die als letzte verbleibende Zuflucht vollkommen herzlos und erbarmungslos gegen die bröckelnde Rinde des Daseins drücken.

Ein Name. Der falsche Name. Menschen, die Glück haben. Noa, der Gedemütigte, der mit seinen Tränen den Boden aufweicht und nachgibt. Die fabelhafte Unmöglichkeit, sie wurde eiskalt zerstört.

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