Die fabelhafte Unmöglichkeit | Teil 14/24

Lüg mich nicht an! Noa schrie es in ihr Gesicht. Wir haben ihn nicht gelesen, Noa, er lag nur offen da, und es dauert so lange, bis du wieder bei dir warst, wir haben ihn nicht gelesen, nur… du hast hier nichts liegen, keine überflüssigen Gegenstände, keine dreckigen Teller, keine Dekoration, alles sieht so leer und aufgeräumt aus… und da ist uns das entfaltete Blatt auf deinem Sofa aufgefallen. Wir haben ihn aber nicht gelesen. Seine Mutter versuchte ihre Lüge so ehrlich zu untermalen wie es ihr nur möglich schien, sie wünschte, sie und Noa’s Vater hätten den Brief nicht gelesen, ihn einfach unbemerkt da liegen lassen.

Wenn Noa es gewollt hätte, dann hätte er in diesem Augenblick die pure Verzweiflung in den Augen seiner Mutter erkannt. Doch er wollte es nicht, und so sah er vielmehr die Gestalt, die seine Visionen geformt hatten. Sie hatten Jael zum Leben erwachen lassen.

Finde mich.

Noa war infiziert. Ich werde dich finden.

Es ist der Tag nach dem dritten Advent. Die Wolken haben sich zugezogen, kein Sonnenstrahl findet mehr den Weg auf die graue Stadt. Kalt ist es, bald wird wohl der erste Schnee kommen und alles erhellen. Doch das war ein Trugschluß, eine Wunschvorstellung. Nicht die einzige Sinnestäuschung, die sich furchtbar herzzerreißend niedergelassen hat. Das wussten in diesem Moment aber nur Noa’s Eltern.

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