Die fabelhafte Unmöglichkeit | Teil 13/24

Wie lange war ich weg? Noa’s Augen blickten in die seiner Eltern. Er hatte sie schon ein paar Jahre nicht mehr zusammen gesehen, die Trennung erfolgte nicht nur auf dem Papier, sondern in vollem Umfang. 3 Stunden. Also, es ist 3 Stunden her, dass wir den Anruf bekommen haben. Das erschien Noa recht kurz. Gefühlt waren es ein paar Tage, nein, es hatte sich angefühlt als wäre er einen vollen Monat nicht bei Bewusstsein gewesen. Welchen Anruf? Seine Eltern schauten sich kurz ratlos an, denn sie wussten nicht genau, wer sie angerufen hatte. Eine junge Frau, wir kannten sie nicht… sie hatte sich auch nicht vorgestellt. Als wir ankamen, lagst du noch vor deiner Wohnungstür, du hast geweint, dir liefen große Tränen über die Wangen… wir haben uns solche Sorgen gemacht. Du warst aber nicht ansprechbar, du hast so sehr geweint, wir konnten dich nicht beruhigen. Dein Vater hat dich dann auf’s Bett getragen und irgendwann bist du ganz ruhig geworden, wir dachten du wärst eingeschlafen, aber du hast plötzlich angefangen ununterbrochen zu reden… Noa merkte jetzt erst, dass er auf seinem Bett lag. Eine junge Frau? Spontan fiel ihm keine junge Frau an, die die Nummer seiner Eltern hatte. Vor allem, welche junge Frau ist bis in das oberste Stockwerk des Mehrfamilienhauses gekommen, wo nur noch seine Wohnung liegt? Die Fragen schwirrten nur so durch seinen Kopf.

Noa zuckte. Er hatte geredet? Leichte Panik überkommt ihn. Was hatte er gesagt, was haben seine Eltern mitbekommen?

Noa’s Mutter kniff die Lippen zusammen. Es ist nichts, mach dir keine Sorgen. Unbewusst hatte Noa seine Fragen laut wiederholt.

Er machte sich aber Sorgen. Vor allem, weil er es so klar wie noch nie vor sich sah. Weil er sich noch nie klarer an einen Traum erinnern konnte wie jetzt, die Farben so satt und kontrastreich und die Lichter so punktuiert auf die wesentlichen Geschehnisse in seiner Vorstellung gerichtet. Es bestand kein Zweifel. Es war Jael. Sie war so überdeutlich in die Utopie seiner Sehnsucht vorgedrungen, sie stand da, fest auf dem Boden, in das Phantasiegebilde seiner Einbildung eingebrannt. Illusion? Fiktion? Realität?

Letzteres, bitte, lass es letzteres sein. Vielleicht war sie sogar wirklich da gewesen. Vielleicht war sie es, die meine Eltern angerufen hatte. Sie muss es gewusst haben, dass ich dort lag. Es muss eine übernatürliche Verbindung gegeben haben, dass sie es direkt gemerkt hat, als ich zusammengebrochen bin. Das muss… Liebe gewesen sein.

Scheiße. Scheiße scheiße scheiße. Noa war verliebt. In eine Unbekannte, in ein unbekanntes Wesen, in ein irreales Begehren seines Unterbewusstseins. Bitte lass es dich geben, bitte lass dich kein Konstrukt meiner Fantasie sein. Es muss dich geben. Ich… ich werde dich finden.

Ist wieder alles okay? Fast hatte er vergessen, dass seine Eltern immer noch sorgenvoll über dem Bett lehnten. Ja. Danke dass ihr hier seid. Der Ansatz eines Lächelns machte sich über ihre Lippen breit.

Was ist das für ein Brief, Noa? Er blickte erschrocken in die dunklen Augen seiner Mutter. Ihr habt ihn gelesen?

Nein, nein!, lügte sie.

 

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