Die fabelhafte Unmöglichkeit | Teil 12/24

Grelles Licht bahnt sich durch die kärglich geöffneten Augen. Noa versucht zu blinzeln, aber die verklebten Lider verhindern es. Stimmen hört er, meint er in dem Restrauschen seines Tinitus wahrzunehmen. Wo bin ich? Die viel zu hellen Strahlen der Raumbeleuchtung machten es nicht gerade einfach, wieder zu vollem Bewusstsein zu kommen. Es schien, als wäre er immer noch in einer Sequenz aus Träumen gefangen, aus denen er einfach nicht auswachen konnte. Dazu dieses überwältigende Herzklopfen, das seine letzte Erinnerung war, als er ohnmächtig geworden sein muss. Es war noch immer da, es pochte immer noch, zum einen beruhigend, zum anderen schwermütig, belastend, ja vollkommen lähmend. Noa konzentrierte sich in den Fragmenten seines Bewusstseins, das Gefühl von seinem Körper wiederzuerlangen. Aber es half nicht, seine Vision vom Aufstehen, vom zurückkehren in die Realität verabschiedete sich wieder ins tiefdunkle, ins Schwarze.

Da bist du ja wieder. Ich hatte schon Sorgen, dass du einfach weggehst, dich fortmachst und mich hier zurück lässt. Das wäre nicht fair von dir gewesen. Bei all der Geständnisse, die ich dir mache. Dann einfach abzuhauen, dich in Luft auflösen. Was für ein Mensch würde das machen? Ich sage es dir. Herzlose, kalte Menschen. Solche, die kein Gespür für anderes Leben haben, für die lebendigen Gedanken und  Gefühle, die Liebende scheinbar unsichtbar mit sich tragen. Ich habe es selbst erlebt. Denkst du, meine Liebe hätte sich ohne Grund in der Unendlichkeit des Daseins versteckt? Sie wollte nicht mehr sein, sie wollte nur noch weg, sich verstecken, die Schützhülle der Unantastbarkeit aufbauen. Für immer. Für alle Ewigkeiten. Alles sah so aus, als hätte sie es auch geschafft, die ungewollte Wunschvorstellung des nie mehr berührt werdens. Bis ich eines Tages deine Erscheinung wahrnahm, sie registrierte, empfing und lieben lernte, mit jedem einzelnen Tag ein bisschen mehr, bis zu dem verhängnisvollen Zeitpunkt, an dem die Liebe in mein Herz zurückgekehrt ist. Mein Herz, mein Wille es nur noch ein einziges Mal zu fühlen, hatte gesiegt. Ich war wieder im Besitz der Liebe, sie hatte mich ergriffen so sehr wie ich mich nach ihr gesehnt habe, so sehr ich sie ergreifen wollte. Das alles nur wegen dir. Nur wegen der Faszination, die von dir ausgeht, die kein Mensch jemals entdeckt hatte. Ich aber habe es herausgefunden. Dich beobachtet, dich infiltriert. Ich bin tief in deine Beschaffenheit vorgedrungen, in deine Wesensart, bis zu deinem blutenden, vor Angst und Einsamkeit und Ablehnung pochenden Herz. Was ich fand war noch viel intensiver als alles, was ich sehen konnte, was ich durch die vernebelte Distanz fühlen konnte. Aber jetzt bin ich da, ich umhülle dein Herz mit behutsamen Faden der Liebe, der Geborgenheit. Das fühlt sich für dich seltsam an, irgendwie abstrakt, weil du es nicht hast kommen sehen. Du warst nicht darauf vorbereitet, obwohl du es dir so sehr gewünscht hast, dass dieser Tag irgendwann kommt. Er kommt, ja, ich lache geradezu voller Glücksatome, dieser Tag wird kommen. Und ich werde dich schon sehr bald zurückholen, du musst keine Angst haben, ich hole dein Bewusstsein zurück und du wirst sehen, du wirst erkennen, dass du verändert bist und wenn du wieder da bist bitte dich ich nur um eines: Finde mich. 

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