Die fabelhafte Unmöglichkeit | Teil 7/24

Noa saß noch einige Minuten oder waren es Stunden einfach da, mit den Augen durch das halb geöffnete Fenster seiner Wohnung starrend. Vereinzelte Sterne konnte er entdecken, doch sie waren schwach, ihre funkelnde Kraft schien es schwer zu haben, den Weg durch die vielen Lichter der Großstadt zu finden. Irgendwo da oben war dein Gefühl. War ihr Gefühl, Jael’s Gefühl. Aber sie hatte es sich zurück geholt. Das ist verdammt weit entfernt, war bestimmt nicht einfach. Noa dachte nach, wo sein Gefühl gerade wohl ist. Wo seine Lebendigkeit, seine Lebensfreude sich versteckt. Ob sie auch dort oben verweilt? Ganz weit hinter den Sternen, hinter fernen Galaxien und unerforschtem Leben? Er würde sie noch eintausend mal weiter entfernt sehen, wenn er dazu die Vorstellungskraft hätte. So mussten einige Trilliarden Lichtjahre wohl ausreichen, damit es zumindest so weit entfernt schien, dass Noa jetzt gerade nicht den Hauch einer Chance hatte, nach ihnen zu greifen.

Irgendwann schlief er auf dem Sofa ein, zur Seite gekippt, den Kopf recht unbequem zur Hälfte auf die Lehne gepresst. Er konnte sich nicht dagegen wehren, er fing an zu träumen. Wäre Noa noch bei Bewusstsein hätte er jegliches aufblitzende Träumen abgewehrt, da er genau wusste, dass es ihm nach dem Aufwachen nur noch schlechter gehen würde. Zu unrealistisch war die Welt in seinen Träumen konstruiert, zu unmöglich war das Szenario. Doch er war machtlos.

Hi. Ich bin Noa. 
– Ich weiß.
Kennst du mich?
– Ja. Ich sehe dich jeden Tag.
Wo siehst du mich?
– Überall. Ich kann dich nicht übersehen.
Weil ich…?
– Weil du anders bist. Weil ich anders bin. Weil wir einen Draht zueinander haben, den niemand sonst sehen kann. Weil es uns etwas verbindet, das stärker als alles andere ist.
Sprichst du von… Liebe?
– Ja, Noa, ich spreche von Liebe. Ich liebe dich. Unermesslich. Ich…
Du bist verrückt.
– Warum bin ich verrückt?
Warum sind wir anders?
– Wir sind einsam. Unsere Gedanken sind anders. Unsere Gefühle. Die Art und Weise, wie wir die Welt aufnehmen, sehen, fühlen. Das versteht niemand, der nicht selbst einsam ist, der…
Der nicht selbst die Erfahrung der Ablehnung gemacht hat…
– Ja genau.
Du liebst mich?
– Ich sterbe vor Liebe. Ich sterbe vor Liebe. Ich sterbe…

In Zeitlupe wacht Noa auf. Sein Herz pochte wie wild, doch er war nicht geschwitzt, nicht erschrocken. Da war keine Angst in seinen Augen, kein Schmerz, den er sonst immer nach einem Traum hatte. Ja er grinste nahezu über diesen Traum, über diese Vorstellung. Ob Jael sich wirklich einsam fühlt? Trägt Jael ebenso wie er die blutende Wunde der Ablehnung? Sie stirbt. Sie stirbt vor Liebe, aber sie tut etwas dagegen. Sie kämpft dagegen an, indem sie diesen Brief geschrieben hat.

Jetzt musste Noa es einfach erfahren. War es ein Liebesbrief? Für wen wurde dieser Brief geschrieben? Was will dieses unheimlich fabelhafte Mädchen mitteilen? Wie sah sie aus? Hatte sie blonde, lange Haare? Oder tiefschwarze? Wie würde sein Leben weitergehen, wenn dieser Brief doch für ihn ist? Wenn ihre Liebe auf die seine trifft, bevor sie stirbt…?

 

2 Kommentare zu „Die fabelhafte Unmöglichkeit | Teil 7/24

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