Diktatur im Klassenzimmer

Da ich gerade kein einziges vermeintlich fröhliches, interessantes oder annähernd unterhaltsames Wort aus dem Wirrwarr meiner Gedanken herausbrüllen kann, übernimmt das jetzt der alte Jim. Mit einem Text aus Klasse 10, also gut 6 Jahre her, während einer zu bearbeitenden Lyrikanalyse verfasst. Nun, Aufgabenstellungen zu beachten war nie meine Stärke. Es hat sich gelohnt. Der Applaus der Klasse stand dem Tadel im Klassenbuch gegenüber. Jim hält sich nicht an die Aufgabenstellung. Mit winzigem Untertitel: Aufgrund seiner provokanten Art würde ich den Schüler Jim Kopf am liebsten für immer aus meinem intellektuell hochwertigen Unterricht verbannen. Arschloch. Die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit.

 Diktatur im Klassenzimmer

Allgemeine Empörung bei der Kundgabe des Titels des folgenden Vortrags. Aber nur bei den Lehrern. „Ist nicht so“ hört man von jenen, die besonders ihre vermeintlich gehobene Stellung ausnutzen. „Ich bin der Lehrer, was ich sage, ist Gesetz, alles unterliegt hier meinem Kommando, und hier ist kein Platz für individuelle Fehler, und mit mir diskutiert man nicht!“ Empörung bei den Schülern, die besonders unter dieser beinahe schon tyrannischen Devise leiden. Schüler sind Marionetten eines perfiden Systems, welches minutiös ausgeübt wird. Nicht selten sprengt dieser vom Schüler betitelte Psychoterror den Abwehrmechanismus und den Selbsterhaltungsschutz des Einzelnen. Soll heißen, Angst, Depression, Zorn, Aggression und tiefe psychische Schäden belasten den Schüler, welcher nach und nach an der Unsicherheit seiner Person zu Grunde geht. Würden Lehrer es am eigenem Leibe erfahren, welche Misshandlungen sie in Bloßstellungen und psychischen Vergewaltigungen anstellen, wäre die fristlose Kündigung die einzig ehr- und respektvolle Lösung auf Seiten des Diktatierenden. Was dem Schüler bleibt ist eine degenerative Verstörung und folglich der Kollaps der Lebenslust, welcher unwiderrufbar den Einzelnen auf dem Horrortrip des restlichen Lebens begleiten wird. Die wenigen, die psychopathische Verankerungen in sich tragen und deren Hass sich in Sadismus umschlägt, genau diejenigen sind unsere heutigen Lehrer. Das Schulsystem ist dem Untergang geweiht. Um diese Revolution hervorzurufen, müssen sich die Schüler einfach nur zusammentun und alle müssen mitziehen, auch die Streber in der ersten Reihe, um dem endzeitlichen verbalen Terrorismus ein Ende zu setzen.

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Vielleicht merkt ihr ansatzweise, dass es die ein oder andere dezente Differenz zwischen mir und der Lehrerschar während meiner Gymnasialzeit gab. Ich nehm’s jetzt mal mit Humor. Fragt sich nur, ob ich das vor 6 Jahren auch getan habe. Wie dem auch sei, ich hab’s überlebt 🙂

Liebe Grüße,

Jim Kopf

21 Kommentare zu „Diktatur im Klassenzimmer

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  1. Das sehe ich auch so…..wenn Lehrer wüssten, was sie anrichten. Für mich ist das ganze System falsch! Lehrer sollten eine Prämie bekommen oder bewertet danach, wieviele erfolgreich sind anstatt auszusieben! Ich hätte sooooo gern Deine Analyse gehört;-)

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      1. Nunja weißt du, Lyrikanalysen verliefen für mich immer wie das Abrastern einer Checkliste. Aufbau? Reimvers? Stilmittel? Der interpretative Teil, meine Stärke, lag meistens leider auch nur im Rahmen von dem, was der Lehrer vermeintlich hören wollte, und nicht was ich wirklich dazu hätten sagen wollen. Was echt schade ist.

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      2. Definitiv, ich war IMMER dafür, die Kreativität beim Schreiben zu fördern anstatt all diese Texte in unbeweglichen Bahnen stumm vor sich hin zu analysieren. Leider ist dies all die Jahre auf taube Ohren gestoßen.

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  2. Ich konnte früher die „Älteren“ nie verstehen, die mir immer sagten, sie würden gerne wieder zur Schule gehen, während ich mich über eben diese beklagte.
    Heute, gut 11 Jahre nach dem Ende meiner Schulzeit, verstehe ich sie immer noch nicht. Nie im Leben würde ich nochmal freiwillig eine Schule besuchen. Es mag sicher ein paar Ausnahmen gegeben haben, aber in der Regel stellten sich Lehrer für mich in der Tat als respektlose, übermäßig arrogante „Diktatoren“ dar. Und da ich schon immer minimal rebellisch veranlagt war, kann man sich natürlich denken, wie sich das Verhältnis zwischen mir und den Lehrer-Diktatoren gestaltete… 🙂
    Wobei ich doch sagen muss, dass ich beim Nachholen eines höheren Schulabschlusses (in der „Erwachsenenbildung“) und auch während meiner Ausbildung (in der Berufsschule) die Erfahrung gemacht habe, dass Lehrer, die mit (mehr oder weniger) Erwachsenen zusammenarbeiten, völlig anders sind. Mein Verhältnis zu den Lehrern dort war durchgehend gut, respektvoll und teilweise sogar schon leicht freundschaftlich.
    Aber das nutzt natürlich keinem etwas, der gerade im 10-Jahre-Pflichtschul-Programm festhängt…

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    1. Hey Chris,
      ich denke, da waren wir sehr ähnlich was unsere Schulzeit anbetrifft und ich kann deine Ausführung voll und ganz unterschreiben. Sicher gab es da Ausnahmen bei all den unfähigen Lehrern, aber im Großen und Ganzen waren das doch für uns immer selbstgefällige Menschen, die wir uns einfach nicht erklären konnten und uns deshalb so, gelinde gesagt, unsympathisch waren.
      Da hast du Recht, das Verhältnis ist teilweise ein ganz Anderes, wenn man den Dozenten oder dem Lehrer in diesem Alter begegnet.. trotzdem muss ich sagen, dass ich genau jetzt gerade wieder in meiner Uni erlebe, dass manche Dozenten, nunja, rückfällig werden.. die Studenten völlig in Rage anschnauzen weil der ein oder andere zu spät kommt, in die Uni, als Erwachsener, freiwillig, und auch null Verständnis dass man eventuell anderthalb Stunden mit verschieden Verkehrsmitteln braucht und es daher öfters dazu kommen kann? Da würde ich dem Diktatierenden am liebsten ein fettes WARUM BIST DU SO ins Gesicht schreien 😀
      Wir verstehen uns 🙂

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  3. Danke für diesen Beitrag. Dadurch habe ich mich wieder an meine eigene Schulzeit erinnert und wenn es wenigstens ein gutes Gefühl für mich heute gibt, dann die unfassbare Erleichterung, nicht mehr in der Schule zu sein 😀

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    1. Gern geschehen, es ist ja quasi der alte Jim, der diese Erinnerung für uns zurückgebracht hat, und auch wenn es nicht unbedingt eine schöne Erinnerung ist, so hat man Anlass diese Zeit zu reflektieren und vor allem, wie du schon sagst, dankbar sein, dass das vorbei ist 🙂

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  4. Verdammt ist das lang her bei mir. Für mich war nach der 10ten Klasse immer klar: Nie wieder Schule! Ich habs bis heut durchgehalten und die bereut 😉 Oder doch? Dann hätte ich vielleicht nen cooleren Job? Oder nicht? Mist, Deine Gedankengänge stecken an…. Jetzt muss ich erstmal nachdenken… Oder ists schon zu spät?! Mhhhhh… ;-))

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    1. ’n cooleren Job? Ist doch quatsch, Markus 😉 Du hattest den Mut zu sagen, nie wieder Schule und verdammt, wie gerne hätte ich das auch gesagt nach der 10., oder vielleicht schon nach der 7. Klasse, haha, aber hey, jetzt sitzen wir hier ein paar Jahre später im Leben, du mit einem ziemlich coolen Job und ich mit einem Job, bei dem ich noch herausfinden muss ob das auf lange Sicht wirklich mein Ding ist.. also, wer bereut hier was? 😉 Ich mein, wär nach der 10. Klasse bei mir auch Ende gewesen, würde jetzt gerade vermutlich auf deinem Schreibtisch Jim Kopf’s epische Trilogie „Die unfassbaren Abenteuer der hedonistischen Schneemaus“ oder dergleichen liegen.. geiler Gedanke.

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      1. Ich vermute mal Du bist bzgl meinem Beruf auf dem falschen Dampfer 😉 Ich hab nen albernen Bürojob der mich 40 Std die Woche kostet. 40 Std in denen ich sonst die Welt (oder zumindest meine eigene Welt) grundlegend verändern könnte… Und da gibts sooo viel. Leider brauch ich das verdammte Geld das der alberne Job halt liefert. Umzusteigen und komplett in die Fotografie einzutauchen ist ein Traum bzw. Wunsch den ich mir so schnell wohl nicht erfüllen kann. Da fehlen mir einfach die Eier… Leider!

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      2. ach fuck, das wusste ich nicht. Mir kam das immer so vor, als wäre das dein(e) Beruf(ung) 🙂 Die Vorstellung von den 40 Stunden, in denen du sonst die Welt grundlegend verändern könntest, kenne ich nur zu gut!! Und da hilft auch kein externer Kommentar wie, alter, trau dich einfach, oder so, damit ist es einfach nicht getan. Was bleibt ist der optimistische Blick in die Zukunft, dass das mit Sicherheit noch passieren wird.

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  5. ich denke, diese dinge gehören in der schulzeit irgendwie dazu. ich hab auch so einiges an kämpfen mit meinen lehrern ausgefochten. die, die sich meinen respekt verdient hatten, mochte ich und da war ich acuh ziemlich handzahm, diejenigen, die gedacht haben, respekt zu bekommen, nur weil sie irgendwann einmal lehramt studiert haben, hatten meist wenig spaß mit mir. gut, ich mit ihnen auch oft nciht, aber das wars mir wert. ich finde, im nachhinein ergeben sich daraus immerhin gute geschichten 😉

    schönes neues outfit hier übrigens. ich mag auch die gestaltung der titelbilder sehr gern.

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    1. Das trifft es ziemlich genau auf den Punkt, wie es bei uns beiden war. Der Umgang miteinander war stets eine Sache des Respekts und nur allzu viele Lehrer wussten nicht, wie sie den von mir bekommen konnten. Jedenfalls nicht mit übertriebener Abgehobenheit.. aber ja, im Nachhinein gibt es unzählige lustige Geschichten 🙂
      Ich danke dir, freut mich dass es dir gefällt, ich habe wochenlang immer mal wieder nach einem neuen Design für den Blog geschaut und konnte mich nie entscheiden, hierfür aber war nicht viel Anpassung nötig es passt einfach besser als zuvor, daher bin ich fürs erste auch zufrieden 🙂

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  6. Da denkt man, dass ein gutes Vierteljahrhundert die Dinge ändern würde und liest, dass es ist immer noch so ist, wie es war. Lernen – gerne lernen und gut lernen steht und fällt mit dem Lehrkörper. Manchmal könnte man es auch falsch schreiben und es würde es genau auf den Punkt treffen. Menschlich gesehen leer halt… Ich kann mich gut an die Lehrer erinnern, die mich wirklich motiviert haben, die Lernen zum Klacks gemacht haben, die Humor, Menschlichkeit und respektvolles Miteinander ermöglicht haben. Aber auch die, die genau das Gegenteil bewirkt haben – die schwarze Seite der Schulzeit, die Spezies der selbsternannten Götter, der man es nie – NIEMALS – Recht machen konnte. Im besten Falle konnte man das Fach/ergo den Lehrer abwählen.

    Kinder und Ausbildung ist unsere Zukunft. Ich weiß nicht, warum man da nicht mehr drauf schaut. Vielleicht kannst du für die Nachwelt was ändern?! 🙂 Was meinst du?

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    1. Ich kann nicht sagen, wie es früher war, aber so wie sich das anhört hat es sich tatsächlich nicht viel verändert. Doch ist es schön zu lesen, dass du auch Lehrer hattest, die dich motivieren konnten und dir das Lernen vereinfacht haben, an solche Lehrer kann ich mich leider so gut wie gar nicht erinnern, aber sie soll es geben, da waren einfach mit zu vielen Lehrkörpern immer eine unüberbrückbare Differenz, die die Schulzeit für mich zu einer sehr anstrengenden Phase gemacht haben, das sieht man ja auch an dem Text, der zu dieser Zeit entstanden ist.
      Ich würde gerne daran etwas ändern und vielleicht wird eines Tages ein Beitrag kommen, der das Dilemma so ausführlich und gut beschreibt, dass das endlich mal in den Köpfen der Lehrenden ankommt 🙂
      LG Jim

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