Der Fliegenfänger

Das ist keine Rezension, das ist ein Gefühl, ein Gefühl dass mich nicht loslässt und so komplex wie gänsehauterzeugend, dass ich einfach drüber schreiben muss, weil es mich nicht loslässt und mich zum weinen bringt, aber auch zum lachen und irgendwas dazwischen, ein Gefühl, das so schwer zu beschreiben ist weil es dich schweben und im nächsten Moment knallhart auf dem Boden aufprallen lässt, es ist wie eine Metamorphose der Zeilen des Buches, sie passen sich den Bedingungen meiner Gedanken an und verschmelzen mit ihnen, so fruchtbar und schon wachsen sie, verbreiten ein Gefühl der völligen Hilflosigkeit gegenüber allem, was im Dickicht der aus dem Fokus geratenen Wirklichkeit außerhalb des gebannten Blickes auf das bedruckte Papier so geschieht,

sie wachsen mit jeder neuen Seite immer weiter und degenerieren jegliches Verständnis für all diese Menschen, die dich nicht verstehen und nicht verstehen wollen und jedes Mal doch nur Unwahrheiten von sich geben, denn sie schauen nicht genau hin und verleumden ihre beschränkte Sichtweise mit Sätzen, die man halt so sagt ohne darüber nachzudenken, und sie hoffen dass niemand darüber nachdenkt und das tun sie auch nicht denn sie nehmen es einfach hin und wie unglaublich verletzend ist diese verdorbene Tatsache die letztendlich nur bewirkt, dass man noch weiter in einen Strudel voller Verzweiflung abdriftet und langsam entbrennt der Gedanke, sich selber aus diesem Strudel retten zu wollen, zu müssen, denn man ist dort gefangen und will sich herausziehen, doch alles dreht sich so schnell und ehe man die Kraft dafür aufwenden kann bricht ein weiterer niederschmetternder Gedanke in dein Leben hinein und macht den Strudel zu einem Tornado, der aus steinhartem Glas besteht aber man weiß ganz genau, es ist zerbrechlich, aber es ist gefährlich und kann dir wehtun,

so wie es ist, wenn man sich gegen etwas aufbegehrt, das man nicht einfach so hinnehmen möchte, es aber tut um normal zu sein, damit man dieses passende Puzzleteil in dem täglichen Wahnsinn bleibt, und man fragt sich, wie wünschenswert ist dieser Gedanke, möchte ich wirklich diesen Jungen dort aus dem Tornado zurückholen oder bleibe ich jetzt so wie ich bin, und während diese brachialen Kognitionen auf dich niederprasseln blätterst du um, kämpfst dich durch eine neue Seite des Schmerzes und des missverstandenwerdens, fern von allem, was man dir eingetrichtert hat dass du zu lieben und zu schätzen hast, was du niemals in Frage stellen wolltest und plötzlich doch alles in Frage stellst, weil du das Gefühl nicht los wirst, ein Teil einer Lüge zu sein,

eine Lüge die für eine Zeit lang Bestand hatte, ohne dass sich auch nur ein einzelner Gedanke mit einem Hammer bewaffnet an sie herantraute, bis sie dann in Scherben vor dir liegt, gefühlt von einem auf den anderen Tag, aber du hast das Gefühl dafür verloren, vielleicht waren es ein paar Jahre oder doch nur ein paar Wochen, in denen sich alles verändert hat und du fragst dich, wieviel hat sich denn nun tatsächlich verändert und du kannst es nicht genau sagen, alles was du weißt ist was du gerade fühlst, was du gerade denkst, was mit jedem Moment der Stille und der Einsamkeit eindringlicher sich mitteilen zu versucht, nicht mit den Anderen,

die dich sowieso nicht verstehen, eher mit dir selbst, um mit dir selbst einen Ausweg zu finden, um wieder der zu werden, der man einmal war, der glücklich war und zufrieden, der lebte, aber alles scheint so aussichtslos und ohne Sinn und wie ist man in das alles überhaupt hineingeraten, was war der Ursprung, der ultimative Auslöser für die Situation, die dir so befremdlich erscheint und dich einnimmt und aus dir etwas macht, das du nicht sein willst aber dann, ganz plötzlich,

ist jemand da, er steht direkt hinter dir, und vor dir, vor dem Tornado in dem dein glückliches Ich gefangen ist, er greift nach deinem Arm und streckt ihn aus, er hing dort zu verloren und lethargisch, unfähig über etwas zu reden und etwas zu unternehmen, doch plötzlich ist da dieser Arm, der dich mit dem Hindernis konfrontiert, der dir dabei hilft, das Hindernis zu überwinden, den normalen Jungen wiederzuholen, der man einmal war, der man wieder sein möchte, er greift mit aller Macht und Wucht und mit dir zusammen in diesen bösen und unheilvollen Tornado, um das glückliche Ich wieder herauszuholen,

und ihr zieht und zusammen seit ihr stark, viel stärker als du es jemals alleine warst, ihr zieht und holt ihn zurück, holt ihn zurück zu dir selber und auf einmal ist er wieder da, ist Hoffnung wieder da, das vielleicht doch alles wieder gut wird, dass man jetzt weiß, was man tun muss und was man tun wird, auf einmal ist dieser gezeichnete Weg, den du einschlagen wirst um wieder der zu werden, der einmal glücklich und zufrieden war, der fortan noch viel glücklicher und erfüllter alle weiteren Wege bestreitet, denn das sind keine Hindernisse mehr, das sind Chancen,  Chancen der Offenbarung seiner Persönlichkeit und der wolkenlosen Durchdringung seines wahren ICHs und mit diesem lauten Schrei des für dich wichtigsten Wortes endet

das letzte Gefühl, die letzte Interpretation, der letzte Gedanke auf der letzten Seite des Buches, und der Kopf knallt gegen das Glas des Zuges, doch es bricht nichts und passiert nichts, und man fragt sich, was fange ich mit all diesen Gedanken jetzt an, so lange, wie ich es noch schaffe, so lange, wie ich noch Zeit habe, das Dickicht und die aus dem Fokus geratene Realität aufrecht zu erhalten.

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Krass. Ich lese. Hab seit Jahren nicht gelesen. Zeitung und Blogs und sowas, ja. Aber Bücher? Ewig nicht. Also irgendwas muss mit mir gerade nicht stimmen. Aber seit diesem Buch… lese ich wieder. Doch bei so intensiven Gedanken und Gefühlen… ist das überhaupt gut für mich gerade? Vielleicht sollte ich das lieber lassen. Vielleicht aber werde ich auch das nächste Buch durchlesen… und das danach. Morgens in der Bahn – verdammt, ich muss diese Zeit doch nutzen.

Liebe Grüße,

Jim Kopf

5 Kommentare zu „Der Fliegenfänger

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  1. Megastarke Befreiungserfahrung und so stark beschrieben! Ja, sei der du bist! Die Welt braucht dich so echt. Den schulisch gleichgeschalteten Einheitsbrei gibt es schon zu viel. Es wird Zeit für authentische Individualisten, die ihre Einzigartigkeit der Welt zum Geschenk machen und sie somit verwandeln.
    Hoffentlich bist du ansteckend! 😉

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    1. Yesss, ich hab’s grade schon gesagt, aber auch hier hast du sau coole Worte für meinen Beitrag gefunden und ich stimme dir vollkommen zu, Individualisten machen den Alltag zu etwas besonderem 🙂 Ich hoffe auch, das versuche ich zumindestens 🙂 Dankeschön!

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