Epiphanie ohne Erkenntis

Auf einer Müdigkeits-Skala von eins bis vier, wobei eins ein Red-Bull-Wingsuit-Pilot mit vehementen Urindrang und vier ein chronisch lethargisches Faultier auf einer Überdosis Schlaftabletten ist, war ich gestern Abend bei fünfkommadrei angekommen, als ich mich gegen 0:21 Uhr ins Bett schmiss. Der Tag war ein Gemisch aus semi-toxidem Arbeitsflow und minder-korrosionsbeständigem Gedankengut. Das Fabrizieren meiner Gehirnaktivitäten resultierte in übereifriger Einsamkeit, nach innen wie nach außen. Vom ersten Augenschlag in der Früh bis zum letzten Zucken der Wimpern gegen 0:34 Uhr in der Nacht. Eingenommen von einem Gefühl arbeitet es sich nicht gerade effektiv. Produktivität beschränkt sich aufs pure existieren. Irgendetwas unerklärbares hat mich einfach nicht losgelassen. Hat mich transzendent durch den Tag gebracht. Ich war weder so richtig ansprechbar, noch konnte ich einen gescheiten Satz herausbringen.

Die Lawine aus Gefühlen und Gedanken und irgendetwas dazwischen fusionierte letztendlich noch in einem Belastungstest. Ausgerechnet Millisekunden vor dem transpirierenden Schlaf, den ich so bitter nötig hatte. Ich war nicht wirklich wach, aber Schlaf, so konnte man die 13 Minuten zwischen 0:21 und 0:34 bei Weitem nicht bezeichnen.

Als ich am heute Morgen die Notizen in meinem Smartphone öffnete, offenbarte sich mir eine kryptische Evidenz, die ich vergangenen Abend im Halbschlaf heruntertippte:

Ich bin nicht ohne Grund hier. Ich habe eine Bestimmung, ein Ziel, das ich verfolgen soll. Nur ich weiß nicht wo, wann und wie. Ich weiß nicht wer ich bin, ich weiß nicht wer ich war. Vielleicht ist das die Antwort auf die Frage. Zu wissen, wer man war, bedeutet, zu wissen, wer man ist. Daraus folgt die Erkenntnis nach dem Sinn deines Daseins, deiner Existenz. Nur wer war ich? Und zu welchem Zeitpunkt?

Bin ich normal? Bin ich wie die anderen Menschen? Bin ich anders? Nur weil ich denke, dass ich anders bin, heißt das noch lange nicht, dass ich wirklich anders bin. Ich weiß nicht ob die anderen genau so anders sind wie ich. Was ich nicht sehe, kann ich nicht wissen. Alles was ich sehen kann ist eine physische Präsenz, ein Körper, nur die Oberfläche dessen, was im Verborgenen liegt. Vielleicht bin ich nur ein bisschen anders, eine marginale Abweichung vom Normalen. Aber ist das nicht jeder auf seine Art und Weise? 

Ich möchte glauben, dass die anderen die gleichen Gedanken ab und zu haben. Das würde mich weniger alleine fühlen lassen, ein schmaler Grad an Zugehörigkeit, wäre das nicht etwas schönes? Nicht die Zugehörigkeit, die automatisch von einem Freundeskreis einhergeht. Eher eine Verbindung der Gedanken, eine Bestätigung, dass man nicht der Einzige mit diesen beinah unerträglichen synaptischen Fragmenten ist, die man nicht wirklich erklären kann, die mich so furchtbar verloren erscheinen lassen.

Es scheint, als wäre ich zur richtigen Zeit am falschen Ort. Das ist das Schlimme. Aber ich weiß, ich kann nicht woanders hin, ich muss hier bleiben. Und das erdrückt mich. Vor allem, ich weiß ja nicht einmal, wohin. Ich musste heute ein paar Mal so tief einatmen, so angestrengt nach Luft greifen, dass ich am liebsten zusammengepackt hätte um mich im nächsten Zug an ein unbestimmtes Ziel bringen zu lassen. 

Es ist Montag, der 16. November. Es ist 0:34 Uhr. Es hat sich noch nie sinnloser angefühlt, den Wecker für etwas zu stellen, das mich auf meinem Weg aufhält.

Are-you-lonely

Ich wollte schlafen. Ich wollte diese Gedanken nicht haben. Ich… fühle mich schlecht. Bei all dem, was gerade vor sich geht in der Welt, wie kannst du nur an dich selber denken? Vielleicht ist der Blick auf die Welt auch nicht gerade hilfreich, aber reicht es nicht auch, wenigstens einen Blick für die Menschen zu haben, die dir selbst am Nahsten stehen?

Liebe Grüße,

Jim Kopf

25 Kommentare zu „Epiphanie ohne Erkenntis

Gib deinen ab

  1. Du willst Antworten, die du wohl erst später bekommen wirst. Du nimmst so viel mehr Dinge wahr, musst sich dann aber dafür auch damit auseinandersetzen! Es liegt wohl noch ein Weg vor dir, negativ gesehen voller Unsicherheit, positiv gesehen….alles ist noch möglich!

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    1. Du magst recht haben, nur das „sich damit auseinandersetzen“ endet meist nur in Lethargie und dem Wissen, dass dies einfach nicht im Hier und Jetzt, im Alltag, möglich ist.
      Aber hey, du sagst es, alles ist möglich, mal sehen wohin der Weg mich treibt 🙂

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  2. Mir fällt so viel dazu ein, aber ich will nicht den Rahmen sprengen und klugscheissern, oder so 😁
    Nur so viel: du bist der Mensch der dir am nächsten steht und deine Gefühle für dich selbst sind nicht weniger wert, als die Gefühle über schreckliche Weltereignisse, möchte ich meinen.

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    1. Ich weiß genau, am Liebsten würdest du mir 1842 Zeilen dazu schreiben 🙂 So oder so, deine Ratschläge sind immer wertvoll für mich, egal ob knapp oder ausführlich 🙂 & ja, du hast recht, die Weltgeschehnisse müssen eventuell bei diesen Gedanken außen vor bleiben, aber es fühlt sich so schrecklich egoistisch an, wenn man sich bewusst wird wie wenig man sich doch mit z.B. der eigenen Mutter und ihren Gefühlen und Ängsten und ihr Wohlbefinden beschäftigt und stattdessen ausreißt aus dem Alltag, meist nur mental und ignorant wie einsam gegenüber allem, und manchmal halt in Auszeiten weit entfernt…

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  3. Du bist völlig normal und es ist auch völlig ok wenn man den Blick in sein inneres wirft und das außen eben stehen lässt…du bist vollkommen ok! Grübeln gehört zu vielen zur Tagesdosis….und du kannst deine Situation so annehmen wie sie gerade ist und auch deinen Hintern dahin bewegen, wo er dich hinführen will…wo setzt du dir selbst deine Grenzen? Und Luisa hat recht……..schalt die Weltereignisse aus…bleib bei DIR! Das muss auch mal sein!Und ist doch schön das du erkannt hast, das du anscheinend etwas anderes brauchst…aber deswegen musst du es jetzt nicht sofort/gleich wissen ;)…….du wirst schon deine Zeichen bekommen…schaust du in die positive Richtung? Dann eben diese……ist es die ungeliebte andere Richtung? Dann dreh dich sofort zur positiven 😉 liebe Grüße

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    1. Danke für deine Worte, liebe Anny 🙂 Aber ist es nicht irgendwo ein Fehler, dass Grübeln zur Tagesdosis gehört? Und in welcher Dosis sind andere Menschen davon eingenommen? In welcher Dosis wirft es mich immer wieder aus der Bahn, nimmt es mich ein und lässt mich verloren im Raum stehen?
      Mir gefällt dein Gedanke, dass das alles nicht jetzt sofort und gleich passieren muss, dass ich diese Fragen nicht sofort beantwortet haben muss und mich einfach von der Zeit leiten lassen sollte.. aber ist nicht jeder neue Tag, an dem diese Gedanken auf meinen Schultern lasten, eine Belastung?
      Glaub mir, ich sehe für die Zukunft nur positives, es ist die richtige Richtung.. nur ich lebe jetzt, und ich will jetzt glücklich sein. Irgendwie ist dort ein großer Widerspruch in mir, zwischen dem was ich will, zwischen dem wie ich mich fühle, und zwischen dem was ich machen „sollte“.

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  4. Ich kenne dieses Gefühl sehr gut: Seit mehr als einem Jahr möchte ich meine Arbeit und meine Stadt verlassen. Es hat mich einfach nur genervt und gelangweilt und demotiviert. Ich wusste es ist an der Zeit. Aber eben noch nicht als ich es aufgrund meiner Empfindungen wollte. Aber die Zeit kam und wäre ich überstürzt – weil ich den inneren Gefühlssturm nicht ausgehalten hätte – gegangen, hätte ich alles hinter mir gelassen, dann hätte ich nicht die Liebe meines Lebens kennengelernt, ich hätte nicht eine alte Geschichte noch in die Klärung bringen können, ich hätte nicht genau gewusst, wohin ich eigentlich will (was jetzt sehr klar ist) und ich hätte nicht so klar erkannt und vertreten können, was ich auf gar keinen Fall mehr will. Kurz um: Ja, es fühlt sich frustrierend und entmutigend an und ich verstehe das du mit dem Hufen scharrst. Scharre weiter, aber vertraue darauf: Alles hat seinen Grund. Das Leben macht keinen Fehler und bereitet dich einfach mit dem aktuellen Geschehen auf das vor, was da auf dich Großes, Wundervolles, Befreiendes und Atemberaubendes wartet! Ich glaube an dich.

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    1. Danke Belinda, du hast wieder einmal tolle Worte für meine für mich selber sehr verwirrten und komplexen Gedanken gefunden! Vor allem sehe ich ganz klar die Botschaft, die du mir auf den Weg geben willst. Überstürztes Handeln wird mich vermutlich nicht weit bringen, vielleicht sollte ich mich auf die kleinen Auszeiten in den nächsten 2-3 Jahren meines Alltags beschränken und darauf warten, bis alles ein wenig klarer erscheint und dann mag es plötzlich da sein: das Große, das Wundervolle und Befreiende.. es ist nur der belastende Gedanke, das ich das alles Jetzt will, und dass wenn ich das jetzt nicht in Angriff nehme, dadurch etwas noch Großartigeres, Erfüllenderes verpasse, einen Weg einschlage, den ich mir anders vorgestellt habe.. ich will das alles mit der Person erleben, die ich jetzt bin, und nicht mit der, die ich irgendwann sein werde.. ich denke, dieser letzte Satz sprudelt so viel Wahrheit aus mir heraus, wie ich es nur selten fühle..

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  5. Was soll ich sagen? Das alles schreit nach einer Guinness-Männer-Runde. Ich liebe diese Art der Gedanken. Leicht verwirrend aber doch ganz klar. Daraus entwickeln sich unendliche Gespräche. Und wenn Du jetzt genickt hast (innerlich oder äusserlich) ist das der Beweis dafür, dass Du nicht alleine bist… Es gibt so viel von Deiner Sorte. Man muss sie nur finden 😉

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  6. Verrückter Jim
    zu Deinem Glück bist Du nicht „normiert“
    Und aus der Exzentrik vieler Menschen in die Herzensmitte gerückt
    Sei Dir versichert Du bist ein Kind des Universums
    Der Kosmos ist Deine Heimat
    Und das Paradies des Herzens Dein Ursprung
    Und Deine Heimat ist nicht die Erde vielmehr die Welt als vier und fünfdimensionales Wesen
    Im Sinne eines Ausendienstes und Praktikums
    Denn Mutter Erde ist die Übungsschule um Freiheit und Lieben zu erlernen
    Sieh Dir nochmals die Trilogie „Matrix“ an
    Du bist Neo und Triniti und Morpheus auch der Andere Mr. Anderson
    Alle sind nur Aspekte Deiner wahren Identität
    Und nicht das Ego der Angst das vielen Menschen glauben macht
    Angst habe mehr Macht als die Liebe Kraft
    Vielmehr ist Dein Ich die Gewissheit erfahren bewusst das Liebe mehr Kraft hat
    Als die Angst Macht
    Wenn ein Mensch erwacht weckerlos ist das ein Schock
    Nur vergeht auch er wieder und Du entspannst Dich bald
    In einem Meer seeligen liebens
    So bist Du kerngesund und ein Seegen für die jüngeren Menschenbrüder
    Die sich im Sandkasten der Erfahrung nur eben die Schaufeln und Förmchen an den Kopf werfen
    Hab Geduld begleite Sie mit Wohlwollen verachte und fürchte Sie nicht
    „Ein Gerechter muß en Dieb gewesen sein“
    Ich lachend spreche aus Erfahrung

    danke Dir
    Joachim von Herzen
    einst trauriger Ritter der Schmerzen lächlend

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    1. Wow, ich bin unglaublich fasziniert von deinen Worten, so fasziniert wie bedrückt, dass ich sie nicht auf Anhieb verstehe, aber das macht mich neugierig und ich habe noch lange nach dem Lesen auf den Bildschirm geschaut, um mich damit zu befassen. Es tut wirklich gut, wenn sich jemand so ausführlich mit meinem schwerfälligen wie emotionalen Gedankenausbruch befasst und dabei diese goldenen Worte findet. Ich danke dir!

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  7. Liebender Jim Herz

    Es sind ja nicht Meine Worte einfach der Liebe eingegeben
    Was wollte Mein Ego Dir schon sagen Ach lächeln Was geht Mich der Kummer eines wildfremden Menschen an
    Es sind Deine Worte nur in Mir in Resonanz versetzt als Dein Spiegel Dir
    Was bitte hatte Dich bedrückt
    Und sieh wenn Wir nicht einander hören und als Weggefährten raten berichten erklären was Uns
    widerfuhr verpassen Wir allesamt das Menschsein
    Eine Bitte sieh nächstens nicht in den Bildschirm nur
    Entzünde eine Kerze und erfreue Dich an Ihrer wärmenden Flamme
    Wir bedürfen der Seelennahrung vielfältigster Art und Weise
    Deine Ausführungen sind nicht „schwerfällig“ sehr feinfühlig und reflektiert
    Denke fühle sprich über Dich in wohlwollender Wertschätzung
    Das „emotionale“ treffend beobachtet ist wenn Ich Meine Grundgefühle verwirre emotionalisier Ich
    Die da sind Wut Angst Trauer und Freude
    Schau wie Goethe in „Die Leiden des jungen Werthers“ Seine Geburtswehen verarbeitete
    Er meinte hierzu wenn er das Werk nicht geschrieben hätte würde er Sich wahrscheinlich das Leben genommen haben…
    „Das Gespräch ist die Heilige Kommunion des Menschen.“
    R.S.

    danke
    Dir Joachim von Herzen

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    1. Das klingt für mich wohlüberlegt, ja nahezu weise, erleuchtend.. und doch ist das Gespräch, so sehr es auch die Kraft enthält, jemanden zu retten, jemanden die Möglichkeit zu geben, zu verarbeiten und zu lernen von den Worten des anderen, so muss ich sagen, dass dies für mich nur selten möglich ist; zu sehr ist in meinem Kopf eine Blockade, die das verhindert, und wenn, dann meist nur in einseitige Richtungen.. ich danke dir nochmals für deine ausführlichen Gedanken.

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  8. Liebender Herzkopfjim

    Es gibt für uns Menschen kopfgefangen zwei Möglichkeiten
    Die Druck und die Zugmethode
    Harte Nüsse brauchen einen starken Nussknacker
    Oder erweichen in Wasser gelegt langsam und sanft
    Ich kann niemanden retten
    In dem Retter Opfer Täter Dreieck dreht sich das weltpolitische religiösmilitärische Chaos
    „Ja ja ich weiß aber… höre Ich Menschen oft sprechen
    Dein Kopf ist für eine Weile nur eine Käseschachtel
    Lasse das Grübeln und überlasse das Denken dem Geist begeistert
    Wessen Wir bedürfen ist Herzensnahrung
    Die ist Märchen lesen Gedichte schreiben malen tanzen singen töpfern Dir Blumen auf den Tisch stellen kochen und Freunde einladen in die Sauna & das Dampfbad gehen mit Tieren sein
    Reiten lernen trommeln ein Instrument erlernen keine Zeitung lesen keine Nach richten hören
    lächeln angeblich fremde Menschen ansprechen und ein Ehrenamt im Altenheim in einer Kindertagestätte ein Praktikum erleben und
    Der Intellekt hat sich im Bunker des Kopfes verschanzt und das bist nicht Du
    Verliebe Dich in Deine Seele neu
    Deine Seele ist ja auch nicht Gailheit
    Deine Seele ist lieben
    Die Herzensbraut
    Deines Geistes

    danke Dir
    Joachim von Herzen
    Trauzeuge

    Gefällt 1 Person

      1. Liebender Jim

        Achte in heilsamer Heiligkeit
        auf Deine Sprache
        Dies Alles liegt in Dir
        Wartet auf Deinen Freispruch
        „..darauf sollte man sich“ ist die in eine Eventualität ferner Möglichkeuten verschobene „man“ Verallgemeinerung Sie haben keine Kraft bleiben im vagen Sprich denke
        Ja das tue Ich jetzt Sage Dir Das lebe Ich sofort
        Schenke Dir Gegenwärtigkeit Selbstübereinstimmung Du bist kraftvoll spürbar auch wenn der surfer einmal vom Brett rutscht reitet Er weiter über das Meer

        Danke Dir Mein Glücksbringer
        Joachim Herzensfroh

        Gefällt 2 Personen

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