Pizza Pizza Pizza

Ohne wirklich Hunger zu haben, antwortete ich mit einem saftigen „Ja!“ auf die Frage, ob mir auch eine Pizza bestellt werden solle. Die eine-Stunde-zurück liegende nachgewürzte Currywurst lag noch schwer verdaut im Magen, doch meine Seele ächzte schon wieder nach fettigem Konsum. „Eine große Pizza Hawaii!“. Ich schämte mich. Ein kurz und knackiges „Nein“ hätte ausgereicht, um den Rest des Tages noch im Genuss erleben zu dürfen. Auf vollem Bauch eine kalorienreiche Pizza – unnötig überhaupt zu erwähnen, dass diese kalorienreich ist. Sie ist das Fukushima unter den georderten Lebensmitteln. Zerstörerisch, langfristig ohne Mehr- oder Nährwert für den Körper. Aber ein Mehrwert für die Seele. Zumindest bis das gute Stück verzerrt in der Magengrube liegt und deine Form annehmende Haut mit unnötigem Inhalt gefüllt ein massiges Bäuchlein ergibt, das nur noch eine Sehnsucht hat: Die Sünde rückgängig machen zu können. Obgleich der Verzehr einem kulinarischen Orgasmus gleichkommt, umso mehr gleicht das nachfolgende Sättigungsgefühl einem brodelnden Vulkan, der geradezu danach schreit, neue Auswürfe praktizieren zu dürfen. Ein Gemisch aus Fett und… nunja, ein fetthaltiges Gemisch. Eine Pizza ist pures Fett, das danach bestrebt ist, sich an empfindlichen Zonen festzusetzen. Es ist böse, ja sogar teuflisch, denn es verführt dich so leicht wie eine Anzeige, die dir das Fliegen verspricht, nur um dich im Anschluss fallen zu lassen. Gut, das Fliegen war schön, doch der Aufprall hatte letztendlich doch die ein oder andere Konsequenz mehr für den Rest meines Lebens. Welche Konsequenz trägt also eine gegessene Pizza mit sich? Kurzzeitig macht Sie dich glücklich – ich nenne „Sie“ jetzt einfach mal „Chantal“ – aber längerfristig schleppst du etwas mit dir, dass sich nur schwer wieder entfernen lässt. Zusätzliche Last, nicht nur als physische Masse, sondern auch als psychische Verkrümmung. Chantal ist nicht günstig. 9,80€. Dafür frisch und üppig belegt. Chantal will sich in dir spüren, will deinen Mund, deine Lippen genießen, Sie will verschlungen werden als ein feuchter, kalorienreicher Traum. Sie gleitet durch deinen Rachen, kratzt an deiner Kehle, umgarnt deine Zunge, legt sich auf deine Zähne. Chantal ist toll. Was sich wie ein transsexueller Porno anhört, sind lediglich Sinne des Geschmacks beim Verzehren einer großen Pizza Hawaii. Man wischt sich den Mund ab, trinkt einen Schluck Wasser und geht seiner normalen Beschäftigung wieder nach. Was bleibt ist ein Stück Chantal auf den Zähnen, aber vor allem auf den Hüften, und als bedrohliches Gefühl in der gesamten Magengegend. Denn man weiß nie, ob das wirklich nur Fett war, dass Chantal gerade bei dir gelassen hat…

20 Kommentare zu „Pizza Pizza Pizza

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  1. Ich dachte erst: „Wie gut, dass ich gar keine Pizza mag“. Aber Pizza lässt sich ja durchaus durch andere Nahrungsmittel ersetzen, die einen vergleichbaren Effekt, sowohl physisch als auch psychisch, verursachen. Also ergeht es mir ab und zu doch ähnlich. Nur nicht mit Pizza als Auslöser, sonder der XXL-Currywurst mit Extra-Portion Pommes oder einer abendlichen Chipstüte…

    LG Chris

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  2. Mit Chantal führe ich auch schon seit Jahren eine anstrengende Beziehung. Ich habe oft versucht, sie zu verlassen. Aber sie kam immer wieder zurück und bettelte mich an, sie aufzunehmen. Und ich bin einfach zu hilfsbereit 😉

    Gefällt 1 Person

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