Kapitel 1: Die total verrückte (Hin-)Reise zu den Lofoten!

Es ist Donnerstag, der 11. Juni 2015. Ich sitze im Auto auf den Weg zum Düsseldorfer Flughafen. Da mein linker Arm schmerzbedingt das Autofahren untersagte, übernahm einer meiner besten Freunde das Steuer. Natürlich Stau, wie immer auf dieser Strecke, bei 30 Grad. Ganz schön schwitzige Angelegenheit. Eine Stunde später werde ich vor den Toren des Flughafens abgesetzt. Pass auf dich auf!

Der Flieger nach Oslo startet mit einer halben Stunde Verspätung. Selten so einen überfüllten Flughafen gesehen. Wo wollen die alle hin? Fensterplatz, Kopfhörer auf. Erste Erleichterung. Mundwinkel ziehen sich nach oben.

Logischerweise landete ich mit einer halben Stunde Verspätung in Oslo. Meine kurzfristig realisierte Rechnung suggeriert mir: Du hast 30 Minuten bis dein Flieger nach Bodo abhebt. Die Zollbestimmungen erforderten ein wiederholtes Prozedere: Auf Gepäckstück warten und Gepäckstück neu aufgeben und durch den Sicherheitscheck. Auf Wo verdammt ist der Check-In Schalter? folgte Warum zur Hölle ist die Warteschlange vor der Security länger als die Anakonda im Film „Anaconda“ (wisst schon, da wo Jennifer Lopez von einer Monster-Anaconda gejagt wird)? und nach wiederholtem Vordrängeln Sorry, gotta catch the flight kam ein energischer Schreihals Stop!! denn wie schon in Düsseldorf hatte ich meine Wasserflasche im Rucksack vergessen. 

21:46. Last call. Jim fucking Kopf may be so kind to come to Gate 381618 B so that the plane with 300 waiting passengers can take off. 21:47. If Mr. Kopf is not arriving in like 15 seconds, we are very sorry for him, because he misses the flight to Bodo, which is just a quick jump away from the Lofoten. 15. 14. 13… Jim aka Usain Bolt junior sprintet um die Ecke, erblickt die letzte Stewardess an Gate 381618 B, lenkt ein und wirft ihr den Boarding Pass mit einer Präzision wie einst Tiger Woods vor seinen Affären mit einem halben Dutzend silikonbehafteten Laienpornodarstellerinnen ins Gesicht. Finally.. Im Flugzeug gucken mich 600 Augen an. Da ist dieser kleine miese Pisser.. Worauf ich mit einem breiten Grinsen antwortete: Ich habe den Flug noch bekommen, geiler Scheiss. Und während ihr jetzt alle von eurem Städtetrip in Oslo zurück nach Hause müsst, geht meine Reise erst richtig los.

Gut anderthalb Stunden später landete ich in Bodo, das eigentlich mit einem Strich durch das zweite O geschrieben wird, ich aber zu faul bin diesen norwegischen Buchstaben aus dem Internet zu kopieren. 6 Stunden, bis der nächste Flieger nach Leknes (auf den Lofoten) kommt. Ich gehe aus dem recht kleinen Flughafen heraus und zücke meine Kamera. 23:30 Uhr und es ist hell.

flughafen

6 Stunden. Schlafen oder in einen Pub?, war ehrlich gesagt keine ernst gemeinte Frage an mich selbst. Natürlich Pub! Gut anderthalb Kilometer von dem Flughafen, direkt am Hafen von Bodo bin ich dann fündig geworden. Laute Rockmusik begleitet mich hinein. Werde erstmal nach meinem Ausweis gefragt. Reisepass gezückt, Eintritt gewährt, Nebenmann an der Theke nach dem besten norwegischen Bier gefragt, bestellt (10€ für ein!! 0,5l Bier), und ins Gepräch gekommen. Er habe heute frei, sagte er. Wo er denn arbeite, fragte ich. Hier, sagte er und ließ sich von seiner angestellten Barkeeperin einen Schnaps geben. Try it!  Jau Danke, leckeres Zeug 😂 67 % purer Alkohol (aus den besten Kräutern Norwegens hergestellt). Nicht nur mein Magen brannte danach. Neues Bier zum runterspülen. Dann kamen zwei Damen in den Pub. Unweit älter als ich. Kannten offensichtlich den Chef des Pubs und keine zwei Minuten, nachdem dieser mich ihnen vorgestellt hatte, war ich mit der jüngeren Dame im Gespräch… 😁 Sie sah toll aus, sprach fließend Englisch und lachte über jeden einzelnen meiner Witze (selbst dann wenn es gar nicht lustig war, ich liebe sowas!). Es wurde immer später, immer mehr Bier und sonstige alkoholische Getränke, immer näher kamen wir uns. Sie wäre nur für eine Nacht in Bodo, hat ihren Opa hier ins Krankenhaus gebracht, übernachtet in einem Hotel nearby und kennt diesen Pub sehr gut da sie hier aufgewachsenen ist.

Drei Stunden vergingen. Wir beide wie auch der Rest der Bar war nun ziemlich betrunken. Es war immerhin schon halb 4 morgens. In 2 Stunden geht mein Flieger.. Sie offerierte mir, sie zu ihrem Hotel zu begleiten. Oh no, I can’t do that, I really neeeed to get the flight in less than two Hours!!!

Hätte ich sagen sollen.


Schau mich jetzt bitte nicht so vorwurfsvoll an, ich bin auch nur ein unschuldiger blonder Bube der das Angebot eines wunderschönen und wahnsinnig tollen Mädchens in aller Höflichkeit nicht ablehnen konnte.

Um 5:00 Uhr schaue ich auf mein Handy. Halbe Stunde. Eine halbe Stunde. Eine halbe Stunde???!!! Bis mein Flieger zu den Lofoten geht. Sage ihr auf Wiedersehen, sage ihr, dass wir uns wiedersehen müssen. You know that this will never happen.. So schade das auch ist, ich glaubte ihr. Da ich nach außen hin aber Optimist bist, sagte ich ihr beim Verlassen des Hotelzimmers: See you on Tuesday!

Usain Bolt junior feierte just danach sein Comeback. Der Flughafen war zwar nicht soo weit weg aber würde es Starrenkästen für Fußgänger geben, wär ich bestimmt geblitzt worden.

Völlig außer Atem und noch völlig rechtzeitig checkte ich am Flughafen ein und setze mich mit 10 weiteren Passagieren in das schon wartende Propellerflugzeug.

propeller_flugzeug

Der 25-Minuten Flug erzeugte schon zu diesem Zeitpunkt eine kleine Gänsehaut auf meine erwartungsvolle Haut. Schon allein das Gefühl in einem Propellerflugzeug zu sitzen war eine coole Erfahrung. Dagegen ist ein normaler Airbus die 5 Sterne Luxusausführung, aber bei weitem nicht so cool wie das Fliegen in diesem kleinen, aber sehr charmanten Flieger!

Dann kam der Moment, auf den ich eine gefühlte Ewigkeit gewartet habe: Die Ankunft an einem Ort, der mir die Auszeit verspricht, die ich mir gewünscht habe. Ein Traum von einem Fleckchen Erde als Basis für den ultimativen Selbstfindungstrip. Hallo, Lofoten!


Recht, wenn nicht sogar komplett übermüdet galt es dann erstmal, die Huskyfarm zu finden. Nicht einmal 30 Kilometer sollte diese vom Flughafen entfernt sein. In Nygård. Wie sich herausstellte, ist das eine 0 zu wenig gewesen…

18 Kommentare zu „Kapitel 1: Die total verrückte (Hin-)Reise zu den Lofoten!

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  1. Ich hab wirklich gaaaanz selten einen so genialen Bericht gelesen. Du bist ein ganz großer Schreiber!!! Ich hab mich teilweise schlapp gelacht. Ich freu mich wie sau auf die nächsten Beiträge und muss glaub mal irgendwann mit Dir ne Reise machen ;-)))) Scheint sich zu lohnen….

    Gefällt 3 Personen

  2. Eeeennndlich! Oh was freu ich mich auf die nächsten Berichte! Die Fotos sind toll und jetzt weis ich auch was du meintest. Wahnsinn, die Reise beginnt. Ich hab selbst grad ein breites Grinsen im Gesicht, obwohl ich mich bis gerade noch ziemlich über die Technik in meinem Haushalt geärdert habe. 😉
    Ich kann mich da nur anschließen .. ich glaub, irgendwann müssen wir mal gemeinsam ne Reise machen .. aber ohne fliegen wenns geht. 😀

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      1. Mit einem Auto, auch wenn ich die alten VW Busse durchaus mag, werd ich persönlich nicht ganz glücklich. Aber ich denke wenn wir wollen finden wir einen Weg und vielleicht hab ich bis dahin mein Moped und es findet sich noch jemand der dich im Bus unterhält (oder wahlweise fährt). 😉 Und dann fahren wir ohne Karte die Straße lang, halten an wenn wir müde sind und pennen im Bus. 😀 Hach, das klingt irgendwie schön .. ja .. das sollten wir mal im Hinterkopf behalten. 🙂

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  3. Ich habe die leise Vorahnung, dass zu jedem deiner Kapitel ein Kommentar von mir kommen wird, ganz einfach, weil ich deine Reiseberichte verdammt faszinierend finde. Du schreibst so ehrlich und humorvoll… da muss man einfach weiterlesen!
    Mal ganz davon abgesehen, dass die Bilder eifnach nur echt schön sind!

    Gefällt 1 Person

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